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Warum gibt es den Fair Finance Guide Deutschland?

Häufig werden Geldanlagen getätigt, um kurzfristige Gewinne zu erzielen. Leider gehen diese Gewinne viel zu oft auf Kosten von Mensch und Umwelt, wenn soziale und ökologische Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt werden. Der Fair Finance Guide Deutschland dient als Orientierungshilfe für Verbraucher, um Informationen darüber zu erhalten, ob und wie deutsche Banken das Thema Nachhaltigkeit bei ihren Geschäftsentscheidungen berücksichtigen. Gleichzeitig sollen Banken dazu angeregt werden, ihrer Verantwortung für eine weltweit nachhaltige Entwicklung gerecht zu werden und Menschenrechte und Umweltschutz nicht Profitinteressen unterzuordnen.

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Wie kommen die Bewertungen zustande?

Der Fair Finance Guide Deutschland beurteilt Richtlinien, die Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen (Unternehmenskredite und Projektfinanzierungen), bei ihren eigenen Investitionen (Eigenanlagen) und ihrer Vermögensverwaltung (bspw. Auflage von Fonds) anlegen. Dafür konzentrieren wir uns auf 15 Themenbereiche, welche unter anderem übergeordnete Themen wie Menschenrechte, sensible Sektoren wie Rüstung und Aspekte der verantwortungsbewussten Unternehmensführung beleuchten. In jedem dieser Bereiche gibt es eine Vielzahl an Anforderungen, welche die Banken in ihren Richtlinien berücksichtigen müssen und welche wiederum auf internationalen Normen und Standards wie beispielsweise der UN Menschenrechtscharta oder den ILO Kernarbeitsnormen basieren. Dafür haben wir für jede der Banken öffentlich zugängliche Dokumente wie Jahres- und Nachhaltigkeitsberichte sowie Presseerklärungen ausgewertet. Hier gibt es mehr Informationen zur Methodik. Die durchgeführten Fallstudien (siehe Praxis-Check) führen nicht zu einer Abwertung der Banken, auch wenn Finanzbeziehungen zu kontroversen Unternehmen festgestellt werden, die gegen die Selbstverpflichtungen der Banken verstoßen. Stattdessen verdeutlichen diese die Diskrepanz zwischen kommunizierter Verantwortung und gelebter Praxis in der Bankenwelt.

Welche Banken vergleichen wir?

Der Fair Finance Guide Deutschland vergleicht die auf dem deutschen Markt führenden Banken sowie Spezialinstitute und bildet somit einen breiten Querschnitt der deutschen Bankenlandschaft ab: kommerzielle Banken (Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, Postbank), Landesbanken/Sparkassen (LBBW, BayernLB, Sparkasse KölnBonn, Stadtsparkasse Düsseldorf), Genossenschaftsbanken (DZ Bank, Apotheker- und Ärztebank), Kirchenbanken (Pax-Bank und KD-Bank) und Alternativbanken (Triodos, GLS Bank, EthikBank). Zwei dieser Banken werden auch in anderen Fair Finance Guide Ländern bewertet: die Triodos Bank in den Niederlanden (Eerlijke BankWijzer) und Belgien (Scan des Banques / Bankwijzer) und die Deutsche Bank in Belgien (Scan des Banques / Bankwijzer). Die Bewertung dieser Banken erfolgt daher in enger Abstimmung mit den Kollegen, unter Nutzung der gleichen Methodik. 

Warum werden die DZ Bank / Bayern LB bewertet, obwohl man dort kein Konto haben kann?

Es gibt in Deutschland 915 Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die DZ Bank ist das Zentralinstitut dieser Banken und zu 85% im Besitz der Genossenschaftsbanken. Obwohl man als Privatkunde kein Konto direkt bei der DZ Bank eröffnen kann, interessiert viele VolksbankkundInnen die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Bank. Da wir nicht jede der über 900 Volks- und Raiffeisenbanken bewerten können, sind wir der Meinung, dass die Bewertung der DZ Bank einen wichtigen Anhaltspunkt für die KundInnen von Genossenschaftsbanken gibt. Die Volks- und Raiffeisenbanken sind nämlich gleichzeitig Anteilseigner und Kunden der DZ Bank. So entwickelt die DZ Bank beispielsweise Finanzprodukte, die von den Genossenschaftsbanken genutzt und ihren Kunden angeboten werden. Die Produkte der DZ Bank machen knapp 90% der von den Genossenschaftsbanken angebotenen Produkte aus. Existieren für diese Produkte nun keine oder unzureichende soziale und ökologische Richtlinien durch die DZ Bank, so werden diese Mängel auch an die Kunden der Genossenschaftsbanken weitergereicht. Ebenfalls können Volks- und Raiffeisenbanken ihren Liquiditätsausgleich über die DZ Bank vornehmen. Daher haben die sozialen und ökologischen Richtlinien der DZ Bank durchaus Relevanz für PrivatkundInnen.  

Auch die Nachhaltigkeit im Kerngeschäft der BayernLB hat indirekt eine Relevanz für VerbraucherInnen, obwohl die Bank nicht direkt ein Girokonto anbietet. So ist die DKB mit ihren 3,6 Mio. Privatkunden eine 100%ige Tochter der BayernLB und im Rahmen des "Intragroup-Fundings" können Kundeneinlagen von der DKB an die BayernLB weitergeleitet werden. Obwohl die DKB eine rechtlich selbständige Einheit ist, kann sie sich dafür engagieren, dass die Bayerische Landesbank als ihre Eigentümerin nachhaltiger wird. Auch ist die BayernLB die Zentralbank der bayerischen Sparkassen und bietet diverse Produkte und Dienstleistungen für Sparkassen insbesondere in Bayern an, sowohl für die Privatkunden der Sparkassen (bspw. Wertpapierprodukte) als auch die Eigenanlagen der Sparkassen. Die bayerischen Sparkassen sind jedoch nicht nur Kunden der Landesbank, sondern auch zu 25% deren Eigentümer und können daher auf Verbesserungen der Bank hinwirken. Daher sollten PrivatkundInnen der bayerischen Sparkassen und der DKB sich an ihre Bank wenden, um wiederum die BayernLB zu stärkeren sozialen und ökologischen Richtlinien zu verpflichten. 

Kann mein Geld als Kunde der GLS / EthikBank nicht auch bei der DZ Bank landen und dort in Kohle und Rüstung investiert werden?

Die GLS genau wie die EthikBank sind Genossenschaftsbanken, d.h. sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, einen bestimmten Teil ihres Geldes - die sogenannte Liquiditätsreserve - bei der DZ Bank anzulegen. Obwohl die Banken hier keinen Handlungsspielraum haben, setzen sich beide bereits seit langem bei der DZ Bank für mehr Nachhaltigkeit ein, mit mehr oder weniger Erfolg. Insbesondere die EthikBank hat auf ihrer Website ein schönes Beispiel, wie sie sich aktiv und vor allem 100% transparent bei der DZ Bank für mehr Nachhaltigkeit einsetzt, und zwar für einen Ausschluss von Atomwaffen. Die EthikBank hat sich darüber hinaus verpflichtet, nicht mehr als das gesetzlich notwendige Minimum bei der DZ anzulegen, damit so wenig Kundengelder wie möglich dort landen.

Auch wir finden, dass hier noch Verbesserungspotential besteht und Alternativbanken sich konsequent und transparent bei der DZ Bank für mehr Nachhaltigkeit einsetzen sollten.

Warum ist meine Bank nicht dabei?

Um ein möglichst breites Spektrum der deutschen Bankenlandschaft abzubilden und möglichst viele BankkundInnen anzusprechen, haben wir eine Auswahl privater Geschäftsbanken, genossenschaftlicher bzw. öffentlich-rechtlicher Institute sowie kirchlicher Banken und Nachhaltigkeitsbanken getroffen. Da wir jede Bank auf die Einhaltung von insgesamt 280 sozialen und ökologischen Kriterien überprüfen, begleitet von einem intensiven Dialog mit der Bank, können wir leider keine Aussage machen, wie andere Banken in unserem Ranking abschneiden würden. 

Tipps, wie man herausfindet wie die eigene Bank zum Thema Nachhaltigkeit steht, gibt es hier.

Übrigens:

Die Umweltbank  und OikoCredit, welche ebenfalls für nachhaltige Finanzen bekannt sind, bewerten wir nicht, da sie Privatkunden nicht die Möglichkeit bieten ein Girokonto für den alltäglichen Gebrauch zu eröffnen. Bei Fragen zu den genauen sozialen und ökologischen Standards wenden Sie sich daher bitte direkt an diese Institute. 

Die Postbank, die bis 2018 eigenständig im Fair Finance Guide vertreten war, wurde inzwischen vollständig in die Deutsche Bank integriert. Auch für Kund*innen der Postbank ist daher die Nachhaltigkeitsausrichtung der Deutschen Bank entscheidend.

Die Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparda-Banken können über ihr Spitzeninstitut, die DZ Bank, einen Liquiditätsausgleich vornehmen oder Fondsprodukte beziehen. Sie sind dabei aber nicht an dieses Angebot der genossenschaftlichen Zentralbank gebunden. Die DZ Bank selbst ist nicht im Privatkundengeschäft aktiv. 

Die ING Bank, zu der die ING-DiBa gehört, wurde durch unsere Partner in den Niederlanden und Belgien bewertet.

Die Crédit Mutuel, zu der die Targobank gehört, wurde durch unsere Partner in Frankreich bewertet.

Die BNP Paribas, zu der sowohl die DAB Bank als auch die Consorsbank gehören, wurde durch unsere Partner in Frankreich und Belgien bewertet.

Sind alle Sparkassen gleich?

In Deutschland gibt es 385 Sparkassen, die alle rechtlich selbständig sind und ihre eigenen Richtlinien zum Umgang mit sozialen und ökologischen Themen erlassen haben. Daher lassen sich die Ergebnisse einer Sparkasse leider nicht einfach übertragen. Der Großteil der Sparkassen fängt aber in der Tat gerade erst damit an, Nachhaltigkeit in ihrem Kerngeschäft zu verankern. Während das für Sparkassen geltende Regionalprinzip und das häufig langjährige soziale Engagement in der Region lobenswert sind, befreit dies die Sparkassen nicht von der Verantwortung, auch in ihrem Kerngeschäft (d.h. den Finanzierungen und Investitionen) Verantwortung zu übernehmen. Denn Sparkassen haben eine Verantwortung dafür, wo das Geld ihrer Kunden landet. Das heißt sie sollten für den Kredit- und Anlagebereich konkrete Richtlinien erlassen, um soziale und ökologische Mindeststandards wie Menschenrechte und Klimaschutz zu gewährleisten.

Tipps, wie man herausfindet wie die eigene Sparkasse zum Thema Nachhaltigkeit steht, gibt es hier.

Wie kommen wir zu den Ausrufezeichen?

Die in den Praxis-Checks gezeigten finanziellen Verbindungen der Banken und Sparkassen stammen aus verschiedenen Quellen: Einerseits haben wir die Dirty-Profits-Berichte von Facing Finance herangezogen. Andererseits haben wir die Aktionärsverzeichnisse der kontroversen Unternehmen in der Datenbank ThomsonReuters Eikon mit den aktuellsten Jahres- und Halbjahresberichten der Investmentfonds, die den Geldinstituten zugeordnet werden können, abgeglichen. Banken oder Sparkassen übernehmen bei unserer Zuordnung auch Verantwortung für Investmentfonds, bei denen sie nicht das Fondsmanagement übernehmen, sondern eine entscheidende Rolle spielen: Für die finanziellen Verbindungen der Sparkasse KölnBonn etwa wurden im Investmentfonds "Deka-Dividenden RheinEdition" gehaltenen Titel betrachtet. Dieser Fonds wurde von der Deka speziell für die Sparkasse KölnBonn konzipiert. Eine genaue Übersicht der untersuchten Fonds findet ihr hier.

Was bedeutet es, wenn eine Bank "nicht aktiv" in einem Sektor ist?

Wenn eine Bank aufgrund ihrer Geschäftsausrichtung Unternehmen eines bestimmten Sektors nicht finanziert oder in diese investiert, wird für diesen Sektor keine Bewertung erstellt. Dies muss jedoch deutlich aus den Informationen der Bank hervorgehen, bspw. über eine Portfolioaufstellung der verschiedenen Sektoren. Weiterhin ist es möglich, "nicht aktiv" für einen Sektor zu erhalten, wenn die Bank explizit den ganzen Sektor von Finanzierungen und Investitionen ausschließt und dementsprechend auch keine Richtlinien über die sozialen und ökologischen Verpflichtungen der Unternehmen in diesem Sektor formuliert hat. Somit sollen alternative Geschäftsmodelle bspw. von kirchlichen und sozial-ökologisch orientierten Banken besser berücksichtigt werden, damit nicht Richtlinien für einen Sektor formuliert werden müssen in dem die Bank ohnehin nicht aktiv ist. Sobald Banken jedoch explizite und detaillierte Finanzierungs- und Investitionskriterien für Unternehmen eines bestimmten Sektors formulieren, werden diese durch den Fair Finance Guide bewertet.

Was bedeutet es, wenn eine Bank 100% in der Bewertung erreicht?

Wenn eine Bank 100% in einem Thema oder Sektor erhält, bedeutet dies, dass sie die derzeitigen Bewertungskriterien des Fair Finance Guide vollauf erfüllt. Jedes Jahr wird die internationale Methodik des Fair Finance Guide gemeinsam durch alle beteiligten zivilgesellschaftlichen Organisationen überarbeitet, um aktuelle Entwicklungen zu Natur- und Klimaschutz, Menschen- und Arbeitsrechten und verantwortungsvoller Unternehmensführung zu berücksichtigen. Dies betrifft beispielsweise die Erneuerung und Verschärfung von Klimaschutzabkommen sowie die Integration von Industrieinitiativen zur nachhaltigen Entwicklung. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass der Fair Finance Guide auch von den Banken eine kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer sozialen und ökologischen Richtlinien erwartet, um mit aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten. 

Wie viel kostet ein Konto bei einer nachhaltig ausgerichteten Bank?

Der Girokonto-Vergleich der Verbraucherzentrale Bremen gibt einen guten ersten Überblick über die Kosten, die bei alternativen und kirchlichen Banken auf Sie zukommen. Diese sind in der Regel teurer als ein Konto bei einer herkömmlichen Bank, dafür kann man sich sicher sein, dass das eigene Geld unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten angelegt wird. 

Wer steht hinter dem Fair Finance Guide Deutschland?

Der Fair Finance Guide Deutschland ist Teil der Initiative Fair Finance Guide International, welche derzeit in sieben weiteren Ländern weltweit aktiv ist. In Deutschland ist der Fair Finance Guide eine Kooperation von Facing Finance mit Rank a BrandSüdwind und der Verbraucherzentrale Bremen. Da der Fair Finance Guide Deutschland von der schwedischen Entwicklungsbehörde Sida und der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen finanziert wird, sind die Bewertungen absolut unabhängig. 

 

Ist der Fair Finance Guide unabhängig?

Da der Fair Finance Guide Deutschland von der schwedischen Entwicklungsbehörde Sida und der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen finanziert wird, sind die Bewertungen absolut unabhängig. Wir erhalten kein Geld oder sonstige Zuwendungen von den hier untersuchten Finanzinstituten. 

 

An wen kann ich mich für ein Interview über den Fair Finance Guide Deutschland wenden?

Bitte wenden Sie sich für ein Interview an:

Thomas Küchenmeister - Geschäftsführender Vorstand Facing Finance e.V.

kuechenmeister@facing-finance.org

Sarah Guhr – Projektleiterin für den Fair Finance Guide

sarah.guhr@facing-finance.org

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