Anspruch und Wirklichkeit: Die nachhaltigen Investitionen des Allianz-Konzerns

07 Dezember 2020

 

Bericht

Jahr: 2020
Herausgeber: Facing Finance

Gefördert von: Schwedische Entwicklungsagentur (Sida)

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 Deutschlands führender Versicherer investiert über sein Tochterunternehmen Allianz Global Investors in eine Reihe kontroverser Unternehmen. Wie passen solche Anlagen zum Selbstverständnis der Allianz?

Die Allianz ist eine der größten Versicherungen weltweit. Für seine Kund*innen verwaltet der Konzern 1,6 Billionen Euro, inklusive der Eigenanlagen betrugen die Mittel 2,2 Billionen Euro. Ein stattlicher Betrag, der investiert werden muss. Was erst auf den zweiten Blick klar wird, ist, dass verschiedene Einheiten des Konzerns auch verschieden agieren. Für die Eigenanlagen des Konzern gelten andere Investitionsrichtlinien als für die Verwaltung der Kundengelder. Der Fair Finance Guide  hat die Richtlinien für die Eigenanlagen des Konzerns analysiert und zum Teil erhebliche Mängel festgestellt (z.B. im Bereich Naturschutz, Gender oder Steuern). Allianz Global Investors (AGI), neben Pimco einer der Asset Manager der Gruppe, bietet nachhaltig orientierten Kund*innen mehrere Investmentstrategien an, für die sozial-ökologische Kriterien gelten. Die entsprechenden Investitionen belaufen sich allerdings lediglich 158 Mrd. Euro. Der Rest der insg. 563 Mrd. Euro, die AGI verwaltet, werden herkömmlich angelegt. Außer für Landminen und Streumunition hat AGI keine Ausschlüsse definiert, die für sämtliche Anlagen gelten.

Deshalb verwundert es nicht, dass sich im Portfolio von AGI weiterhin kontroverse Unternehmen finden lassen. Für eine Stichprobe, die ca. 100 Unternehmen umfasste,  haben wir Beteiligungen in Höhe von 10,8 Mrd. Euro (Stand 30.09.2020) gefunden, darunter Rüstungs-, Kohle- und Bergbauunternehmen.

AGI sieht sich als einen aktiven Investoren, der auf Hauptversammlungen der Portfoliounternehmen seine Stimmrechte in Anspruch nimmt und mit ausgewählten Unternehmen im Austausch zu ESG-Themen steht.

Auf Anfrage teilte AGI mit:

„Unsere Grundüberzeugung ist es, dass man die Probleme der Gegenwart angehen muss, um die Zukunft positiv zu gestalten. Deshalb setzt unser pfadorientierter Ansatz darauf, mit den Unternehmen einen aktiven Dialog zu führen, um sie dabei zu unterstützen, einen Pfad hin zu nachhaltigeren Geschäftspraktiken einzuschlagen. Ausschlüsse von Unternehmen sind nur bei einigen wenigen Themen unser Mittel der Wahl. Wir wollen vielmehr einen Beitrag leisten für einen gerechten und inklusiven Übergang in eine nachhaltige Wirtschaft.

Wir haben 2019 bei über 9000 Hauptversammlungen unsere Stimmen im besten Interesse unserer Anleger abgegeben. Wir haben mit 333 Unternehmen einen zielorientierten Dialog geführt, und dieser Dialog wird auch in Zukunft hohe Priorität haben.“

U.E. mangelt es AGI vor allem an Transparenz. Die Ergebnisse der Abstimmungen auf den Hauptversammlungen sind zugänglich, das ist positiv zu bewerten. Wenn sich AGI jedoch dermaßen stark auf den Dialog mit Portfoliounternehmen beruft, sollten Details zu diesen Prozessen veröffentlicht werden. Es ist unklar, um welche Unternehmen es sich handelt- welche Ziele in welchem Zeitrahmen verfolgt wurden und was die Ergebnisse waren. Die aktuellen Nachhaltigkeitsberichte von AGI lassen außerdem keinen Schluss darauf zu, ob auch nur einer dieser Dialogprozesse als erfolglos erachtet wurde – und was dann die Konsequenz gewesen wäre.

Schließlich werden auch die Eigenanlagen der Allianz Gruppe teilweise durch AGI verwaltet. Interne Kontrollprozesse sollen gewährleisten, dass die Investitionen den Richtlinien der Allianz Gruppe entsprechen. Da es aber auch hier an Transparenz mangelt, kann von außen nicht nachvollzogen werden, ob nicht doch Mittel der Allianz Gruppe über die Investitionen von Allianz Global Investors in kritische Unternehmen fließen.