Acht Chancen für Investoren 2021 Verantwortung zu übernehmen

21 April 2021

Eine Pandemie, die Ungleichheiten nicht nur innerhalb von Staaten, sondern auch zwischen dem Globalen Norden und Süden verschärft, ein Klima, das sich immer schneller erwärmt, Biodiversität, die rasant verschwindet – die Welt steht nicht still. Viele Kippunkte innerhalb der planetaren Grenzen sind längst überschritten. Ohne zügiges Gegensteuern werden wir nicht nur die ökologischen Konsequenzen unseres Handelns, sondern auch die weltweiten sozialen Folgen spüren. Eine Gruppe, die entschieden die notwendige Transformation begleiten oder auch blockieren kann, sind Investoren. Denn Investoren haben Macht.

Investoren können sich bewusst für oder gegen Wertpapiere eines Unternehmens entscheiden – je nachdem ob sie neben der ökonomischen Performance auch mit dem sozialen und ökologischen Handeln eines Unternehmens einverstanden sind. Ist ein Investment einmal getätigt, geht mit der Entscheidung Verantwortung einher. Geht die Investition zu Lasten bestimmter Bevölkerungsgruppen, z.B. indigener Gemeinschaften, die für den Bau eines Staudamms ihr angestammtes Land verlassen müssen? Oder ist mit dem Investment eine nicht hinnehmbare Klimabelastung, z.B. durch den Bau eines Kohlekraftwerkes, zu verantworten?

Stellen Unternehmen Profitinteressen über gesellschaftliche Ziele, so müssen die Investoren ihren Einfluss geltend machen. Bei gravierenden Verletzungen können sie z.B. ihr Investment – im Idealfall öffentlich wirksam – wieder abtreten. In anderen Fällen ist ein zeitlich begrenzter Engagement-Prozess, in dem der Investor mit einem Unternehmen in einen Dialog tritt und klare Ziele, Fristen und Maßnahmen benennt, sinnvoller. Auf diese Weise hat das Unternehmen die Möglichkeit, Missstände zu beheben, ohne gleich gebrandmarkt zu werden. Einen wichtigen Teil des Engagements gegenüber Unternehmen macht die aktive Stimmrechtsausübung aus, die einer vorher definierten Abstimmungsrichtlinie folgen sollte.

Stimmrechtsausübung

Die aktive Stimmrechtsausübung ist ein zentrales Instrument institutioneller Investoren, großer Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften, um Unternehmen verbindliche ökologische und soziale Maßnahmen vorzugeben. Für diese Zwecke wird es jedoch noch viel zu selten genutzt.[1] Selbst abgelehnte Aktionärsanträge können die Unternehmen für wichtige Themen sensibilisieren. Investoren, denen tatsächlich an einer sauberen und gerechten Welt gelegen ist, sollten im Sinne von Mensch und Umwelt unbedingt Gebrauch von ihrem Stimmrecht machen.

Bringen Banken oder andere große Investoren selbst Anträge für stärkere soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen in Hauptversammlungen ein, entfaltet sich eine besonders hohe Strahlkraft auf die anderen Anteilseigner. Sie können sich aber auch den Anträgen voranschreitender Investoren anschließen und so für mehr Nachhaltigkeit eintreten. Im Jahr 2021 sind bereits viele solcher Anträge auf den Weg gebracht worden (siehe beispielhafte Auswahl in der Tabelle). Eine gute Gelegenheit für Banken im Fair Finance Guide zu zeigen, wie ernst sie Umweltschutz und Menschenrechte nehmen.

Eingebrachte Aktionärsanträge 2021: Werden sich die Fair Finance Guide Banken für mehr soziale und Ökologische Gerechtigkeit einsetzen?[2]

Aktien-
gesellschaft
Datum Haupt-
versammlung
Antragsteller Beschreibung Gehaltene Aktien [in Mio. €] von im Fair Finance Guide bewerteten Banken & Lebensversicherungen
MTU Aero
Engines
21. April Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre Antrag: Ablehnung Verwendung Bilanzgewinn für Dividendenausschüttung trotz Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld; keine Entlastung des Vorstands wegen Lieferung militärischer Güter in Krisengebiete und damit einhergehender Verantwortung für schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen. Allianz: 539,50
Alte Leipziger: 0,56
Axa: 0,11

Commerzbank: 0,30
Deutsche Bank: 215,07
Stadtsparkasse Düsseldorf: 0,20
DZ Bank: 238,88
LBBW: 5,91
Bayer AG 27. April Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre Antrag: Keine Entlastung des Vorstands wegen mangelnden Maßnahmen für den Klimaschutz und im Rahmen menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten. Allianz: 9,73
Alte Leipziger: 0,93
Axa: 14,91

ApoBank: 1,39
Commerzbank: 14,19
Deutsche Bank: 882,36
Stadtsparkasse Düsseldorf: 1,25
DZ Bank: 277,25
LBBW: 12,20
UniCredit: 11,02
RWE AG 28. April Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre Antrag: Ablehnung Verwendung Bilanzgewinn für Dividenden-ausschüttung, besser Einrichtung Klima-, Gesundheits-, Sozialfonds und Arbeitsplatzprogramm; keine Entlastung des Vorstands wegen umwelt- und sozialunverträglicher Art des Kohleausstiegs (z.B. Zerstörung weiterer Dörfer für unnötigen Braunkohleabbau), mangelnden Maßnahmen für den Klimaschutz; keine Entlastung der Aufsichtsratsmitglieder wegen Unterlaufung des Atomausstiegs; Neuwahlen bestimmter Personen für Aufsichtsrat wegen mangelnder Einflussnahme auf klimafreundliche Neuausrichtung des Konzerns. Allianz: 12,57
Alte Leipziger: 4,08

Commerzbank: 4,79
Deutsche Bank: 352,34
Stadtsparkasse Düsseldorf: 0,27
DZ Bank: 261,35
LBBW: 35,05
BASF 29. April Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre  Antrag: Ablehnung Verwendung Bilanzgewinn; keine Entlastung des Aufsichtsrates im Zuge mangelnder Kontrolle der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht, mangelnden Klimaschutzmaßnahmen, doppelten Standards beim Pestizidverkauf, Beteiligung bei Öl- und Gasunternehmen Wintershall Dea, Zusammenarbeit mit russischem Rohstofflieferant Nornickel. Allianz: 137,08
Alte Leipziger: 1,14
Axa: 11,77 

BayernLB: 0,33
Commerzbank: 16,86
Deutsche Bank: 1.063,34
Stadtsparkasse Düsseldorf: 1,73
DZ Bank: 826,30
LBBW: 28,17
UniCredit: 38,58
Bunge 05. Mai Green Century Capital Management Antrag: Erstellung eines Berichts über Bemühungen und Möglichkeiten zur Beseitigung der Umwandlung einheimischer Vegetation im Rahmen der Sojalieferkette.  Allianz: 19,42
Axa: 0,60 

Commerzbank: 1,59
Deutsche Bank: 50,90
DZ Bank: 1,21
ING: 0,22
ExxonMobil 26. Mai As You Sow Antrag: Erstellung eines Berichtes, ob und wie das Risiko von stranded assets im Zusammenhang mit den Umweltauswirkungen petrochemischer Investitionen verringert wird. Allianz: 12,57
Alte Leipziger: 4,08 

Commerzbank: 4,79
Deutsche Bank: 352,34
Stadtsparkasse Düsseldorf: 0,27
DZ Bank: 261,35
LBBW: 35,05
Amazon   As You Sow Antrag: Erstellung eines Berichtes über die Verwendung von Plastikverpackungen, damit verbundene Umweltverschmutzung und Zielsetzungen. Allianz: 2.566,88
Axa: 725,81
Zurich: 248,99 

ApoBank: 10,12
Deutsche Bank: 3.251,86
Stadtsparkasse Düsseldorf: 1,28
DZ Bank: 2.708,59
ING: 275,36
LBBW: 49,75
UniCredit: 2,25
Kroger   Oxfam America; Providence St. Joseph Health; Adrian Dominican Sisters; CommonSpirit Health Antrag: Bericht über den Human Rights Due Diligence Prozess im Betrieb und in der Lieferkette. Allianz: 34,84
Axa: 36,47

Commerzbank: 0,15
Deutsche Bank: 121,53
DZ Bank: 2,96
ING 0,94
LBBW: 0,11

[1] Martin Jeanne / Peacock, Lauren / Buttle, Martin / Hargreaves, Rachel / Lerin, Xavier (2020): Voting Matters 2020: Are asset managers using their proxy votes for action on climate and social issues? London: ShareAction.

[2] Ausgewählte Anträge auf Basis von:
As You Sow (2021): Current Resolutions: https://www.asyousow.org/resolutions-tracker
ShareAction (2021): Shareholder Resolutions Tracker 2021: https://shareaction.org/resolutions-2021/resolutions-tracker-2021/
Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre (2021): Hauptversammlungen 2021: https://www.kritischeaktionaere.de/hauptversammlungen-2021/

Image: Mykl Roventine via flickr (CC BY-NC-SA 2.0): https://bit.ly/32P21pL